(Kreiszeitung vom 07.04.2026, Bericht von Gregor Hühne)

Lebensqualität auf dem Land: Den Twistringer Bürgerbus gibt es seit August 2025. Wegen der hohen Dieselpreise steuert er nun durch die erste Krise. © Bürgerbus Twistringen
Die Bürgerbus-Vereine im Landkreis Diepholz leiden unter explodierenden Dieselkosten. Im März stiegen die Ausgaben um bis zu 35 Prozent.
Landkreis Diepholz – Die aktuell hohen Preise an den Zapfsäulen belasten nicht nur Pendler, sondern schlagen sich auch auf die Betriebskosten der vier ehrenamtlichen Bürgerbus-Vereine im Landkreis Diepholz nieder. Alle Vereinsfahrzeuge tanken Diesel. Am Montag kostete ein Liter des Kraftstoffs um die 2,40 Euro. Das sind laut ADAC im Durchschnitt fast 70 Cent mehr als noch im Februar dieses Jahres.
Hinter den Kulissen wächst die Sorge
Der März war geprägt vom Preissprung an den Tankstellen infolge des Angriffs der USA und Israels auf den Terrorstaat Iran. Für den Bürgerbus in Bassum beliefen sich die Mehrkosten in dem Monat auf rund 250 Euro, berichtet Thorsten Runge. Noch habe der Verein keine Probleme, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Hinter den Kulissen wachse jedoch die Sorge. „Wenn das Monate oder länger so weitergeht, dann haben wir ein Problem“, macht Runge deutlich.
Rund 950 Euro gibt der Bassumer Bürgerbus in einem normalen Monat für Dieselkraftstoff aus – im März waren es rund 1.200 Euro. In einem Drei-Schicht-Betrieb fährt ein Bus des Vereins rund 300 Kilometer am Tag. Eine Tankfüllung reicht laut Runge für etwa zwei Tage. Ein zweiter Bus steht als Ersatzfahrzeug zur Verfügung. Der Verein hofft nun, dass keine außerplanmäßigen Reparaturen anfallen. „Da müssen wir jetzt durch“, sagt Runge.
Auch bei Uwe Morawski, Bürgerbus Twistringen, liegen die Nerven blank. „Das ist ein Desaster für uns“, berichtet er. Die zusätzlichen Dieselkosten fehlten an anderer Stelle. „Wir versuchen, kostendeckend zu fahren. Aber keiner weiß, wie lange das noch geht.“ Zu allem Übel kam nun eine ungeplante Rechnung für neue Bremsen in Höhe von 1.700 Euro hinzu.
Nicht auf reguläre Tankstellen angewiesen
Dabei habe der Twistringer Verein sogar noch einen Kostenvorteil: „Wir können bei Borchers tanken“, erzählt Morawski. Das federe die Situation ab, weil der Verein nicht auf reguläre Tankstellen angewiesen sei. Zuletzt habe der Preis für Diesel bei dem Busreiseunternehmen bei 1,90 Euro gelegen, so Morawski. Doch das werde nicht so bleiben. Erfahrungsgemäß näherten sich auch die freien Tankstellen irgendwann den allgemeinen Preisen an.
„Am Ende des Tages kann ich nur mit den Karten spielen, die ich habe“, gibt sich Morawski pragmatisch. Und im schlimmsten Fall: „Wenn wir nicht hinkommen mit dem Geld, müssen die Stadt oder der Landkreis einspringen. Das ist vielen gar nicht klar.“ Doch so weit soll es gar nicht erst kommen, unterstreicht er. „Wenn das so bleibt, würde ich losgehen und größere Sponsoren suchen. Aber so weit ist es noch nicht.“
Den Dieselpreis genau im Blick hat auch der Syker Bürgerbus-Verein, der ebenfalls unter den hohen Treibstoffkosten ächzt. „Wir sind wie jeder andere von den hohen Preisen betroffen und müssen das aus unseren Rücklagen stemmen“, sagt der zweite Vorsitzende Carsten-Wilm Müller. Der Syker Bürgerbus legt rund 250 Kilometer am Tag zurück und verbraucht etwa acht bis zehn Liter auf 100 Kilometern. Der Verein hofft laut Müller auf ein Licht am Ende des Tunnels. Solange heißt es, „die Luft anhalten zu können, bis die Preise wieder korrekt werden“.
Noch keine Zahlen zu den Mehrkosten in Syke
Noch lägen keine Zahlen zu den Diesel-Mehrkosten vor, so Müller. „Vollkommen klar ist jedoch, dass wir deutlich mehr bezahlen müssen.“ Dazu kämen die normale Abnutzung und Wartung des Fahrzeugs. Zumindest werde der Verein „gut von der Stadt Syke unterstützt“, lobt Müller und gibt sich kämpferisch: „Wir fahren einfach weiter. Der Moment, dass wir den Verkehr einstellen, so weit ist das noch nicht.“
Dieselbe angespannte Situation herrscht beim Weyher Bürgerbus, der täglich circa 350 Kilometer auf die Strecke bringt. Erster Vorsitzender Olaf Kaiser schätzt, dass die Dieselkosten für die zwei Busse im Einsatz im März mit rund 1.600 Euro etwa 30 bis 35 Prozent höher waren als noch im Januar dieses Jahres. „Wir versuchen, das momentan ein bisschen zu kompensieren, indem wir das Tanken (nach jeder dritten Tour) in die Vormittagsstunden legen – also vor 12 Uhr“, erklärt er.
