Seit 25 Jahren verbindet der Bürgerbus Weyhe Ortsteile, die einst im Nahverkehr ein weißer Fleck waren. Helga Genslein durfte sich nun als 500.000 Mitfahrerin über einen dicken Blumenstrauß freuen.
(Bericht aus der Regionalen Rundschau vom 30.03.2026, von Claudia Hennerkes)

Helga Genslein freute sich über den Blumenstrauß, der ihr von Olaf Kaiser überreicht wurde.
Foto: Tammo Ernst

Sie arbeiten unentgeltlich und freuen sich über ein Dankeschön. Aus Weyhe sind sie nicht mehr wegzudenken, weil sie Menschen und Orte miteinander verbinden. Die Rede ist von den 40 Fahrern und Fahrerinnen, die täglich den Bürgerbus durch die Gemeinde lenken und Bürger und Bürgerinnen von A nach B befördern. In diesem Jahr wird der Bürgerbus Weyhe 25 Jahre alt und ein ganz besonderes Ereignis wird gefeiert: Helga Genslein ist die Nummer 500.000 auf der Mitfahrerliste.

Die erste Fahrt fand genau am 1. Juni 2001 statt und ging, daran hat sich wenig geändert, von Leeste nach Sudweyhe mit der Linie 117. Entstanden war die Bürgerbus-Idee für Weyhe Anfang 2000 aus der Arbeitsgruppe Verkehr der Lokalen Agenda 21. Mittlerweile ist die Institution Bürgerbus aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Zwei Linien fahren täglich von montags bis freitags viermal vormittags und viermal nachmittags. Stündlich geht es mit der Linie 116 von Leeste bis in den Jeebel, mit der Linie 117 von Leeste bis nach Sudweyhe und wieder zurück. Pünktlich stehen die kleinen Busse, die höchstens acht Personen transportieren können, an knapp 20 Haltestellen, die jeden Tag aufs Neue stark frequentiert sind.

Im hohen Alter mobil

Für Helga Genslein geht es von ihrem Zuhause im Nachtigallenweg in Lahausen zweimal in der Woche mit dem Bürgerbus Richtung Kirchweyhe. Hier läuft sie in der Zeit zur Apotheke, macht im Rewe Besorgungen oder stöbert bei Schüttert, was es so Neues in der Bücherwelt gibt. Dass sie mittlerweile seit gut 15 Jahren mit dem Bürgerbus in Weyhe unterwegs ist, ist eher ein Zufall: Eigentlich wollte sich die damals 75-Jährige lediglich ausruhen und hat sich an der großen Kreuzung zwischen Kirchweyhe und Lahausen an eine Bushaltestelle gesetzt. Der Fahrer hat regulär angehalten und Genslein angeboten, sie mitzunehmen und im Nachtigallenweg abzusetzen. Seitdem ist der Bürgerbus aus dem Leben von Helga Genslein nicht mehr wegzudenken. Mit ihrer Jahreskarte bleibt sie so auch im hohen Alter mobil.

„Vor dem Bürgerbus waren die Ortsteile Sudweyhe und Jeebel im öffentlichen Nahverkehr ein weißer Fleck“, sagt Lothar Cordes, der seit zehn Jahren Fahrdienstleiter des Vereins ist. Der Bürgerbus ist den Verkehrsbetrieben Bremen/Niedersachsen (VBN) angeschlossen und fährt eben jene Haltestellen an, die vor 25 Jahren (und auch heute) nicht von den großen VBN-Bussen angesteuert werden. Das kommt in der Bevölkerung gut an. Cordes kennt die ganz genauen Zahlen: „Wir transportieren 500 Gäste die Woche, 25.000 im Jahr.“ Gefahren werden sie von insgesamt 40 Fahrern und Fahrerinnen, die allesamt ehrenamtlich tätig sind. Trotzdem kennt der Verein keinen Nachwuchsmangel. „In all den Jahren“, so Cordes, „hatten wir immer genügend Fahrer.“ Er selbst fährt, genauso wie der erste Vorsitzende Olaf Kaiser und dessen Stellvertreterin Cathrin Mahlau, ebenfalls seit vielen Jahren die zwei Bustouren.

An Fahrern mangelt es nicht

Um die Busse fahren zu dürfen braucht man nicht nur Zeit und Lust, sondern als Voraussetzung auch einen Personenbeförderungsschein. Eine Grundvoraussetzung, die alle fünf Jahre wieder neu nachgewiesen werden muss. 90 Prozent der Fahrer und Fahrerinnen sind nicht mehr im aktiven Arbeitsleben, einige von ihnen bereits seit mehr als 15 Jahren dabei. „Wir sind ein super Team“, sagt Cathrin Mahlau. Das alleine sei schon ein Grund, den Bus zu fahren. Einmal im Monat gibt es ein Fahrertreffen, bei dem die großen organisatorischen Fragen besprochen werden. Denn dass die Beförderung mit dem Bus viel Organisation bedeutet, weiß das Führungstrio. „Wir stehen vor immer neuen Herausforderungen“, so Kaiser, der seit dem vergangenen Jahr den ersten Vorsitz innehat. Damit meint er neben den naturgegebenen Umständen wie Schnee, Glätte, Regen und Dunkelheit auch die besonderen Umstände in der Gemeinde: Die Baustellen allerorten zwingen den Betrieb in andere Bahnen.

Wenn es die Sparkasse vor Ort nicht geben würde, gäbe es den Bürgerbus nicht: Denn nur mit der finanziellen Unterstützung der Bank ist es möglich, dass der Busfahrer morgens den Zündschlüssel umdrehen kann. Cordes verrät, dass auch ein kleiner finanzieller Anteil vom VBN kommt und ein noch kleinerer Anteil durch den Verkauf der alten Busse. Diese behindertengerechten Niedrigflurbusse, die in der Anschaffung rund 115.000 Euro kosten, werden in der Hauptsache über die Landesverkehrsgesellschaft Niedersachsen finanziert. Alle fünf Jahre, beziehungsweise nach 250.000 Kilometern, gibt es einen neuen Bus. Dieser muss Platz für Rollstühle, Rollatoren, aber auch für Fahrräder und kleinere Hunde bieten. Alle Fahrgäste müssen eine Sitzgelegenheit haben. „Personen dürfen bei uns, im Gegensatz zum sonstigen öffentlichen Nahverkehr, nicht stehen“, so Kaiser. Warten an der Haltestelle zu viele Menschen, müssen diese auch schon mal abgewiesen werden.

Bürgerbusverein Weyhe ehrt 500.000 Fahrgast und wird 25 Jahre alt