15. Juni 2005 (MZ Mittelbayerische Zeitung)
siehe auch: Erfolg der Ökospinner
Die ehrenamtlichen Fahrer und der Bürgerbus in Weyhe: Seit vier Jahren läuft das Projekt mit Erfolg. Foto: BürgerBus Weyhe
Rentnerinitiative macht mit Bürgerbus den ÖPNV flott
Projekt aus Weyhe soll auch im mittleren Landkreis auf die Straßen
ABENSBERG (mf). Mit einer vereinsbetriebenen Buslinie will Heinrich Kohl (64) die Probleme des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zumindest im mittleren Landkreis minimieren. Als Beispiel dient ihm der Bürgerbus im niedersächsischen Weyhe. Dessen Initiator Dr. Torsten Hoff kommt am Samstag zu einem Infoabend nach Abensberg.
„Ich habe mir das Projekt dort angeschaut", berichtete Heinrich Kohl gegenüber der MZ. Seine Erkenntnis: „Es muss mit kleinen Bussen im Takt gefahren werden."
Das tut der eigens für den Betrieb der Linie gegründete Bürgerbus Weyhe seit inzwischen vier Jahren mit immer größerem Erfolg. Dessen Konzept will Kohl auch für eine „Initiative Bürgerbus" im mittleren Landkreis übernehmen. Laut Kohl sei vorstellbar, dass diese Buslinie in
einem Radius von gut zehn Kilometern um Abensberg verkehrt von Langquaid bis Neustadt, von Kelheim bis Rohr und Siegenburg. Nähere Überlegungen dazu gibt es aber noch nicht. Größtes Manko des derzeitigen ÖPNV sind Kohl zufolge diese Punkte: „Der Fahrplan ist unleserlich, zu kompliziert. Die Busse fahren zu selten, das wird den Bedürfnissen nicht gerecht." Sein Fazit: „Bis auf die Schulfahrten sind die Busse leer."
Soll das Konzept aus dem niedersächsischen Weyhe (nahe Bremen) übernommen werden, ist laut Kohl vor allem eines gefragt: „Freiwillige. Alles hängt davon ab, ob wir Freiwillige finden, die stundenweise ehrenamtlich einen Kleinbus fahren." Kohl denkt da in erster Linie an engagierte Rentner. In Weyhe jedenfalls fanden sich problemlos Fahrer. Derzeit sind es 30.
Wie beim niedersächsischen Vorbild, müsste auch hier die von dem Verein betriebene Linie in den vor-
handenen Liniendienst integriert werden. „Der ÖPNV ist der wichtigste öffentliche Partner", so Kohl.
Dass sich das Ganze finanzieren lässt, daran zweifelt Kohl nicht. In Weyhe ist ein Kreditinstitut Hauptsponsor, das Fahrzeug, ein umgerüsteter Kleinbus mit Spezialeinstieg für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen, stellten die örtlichen Autohäuser zur Verfügung. „Das alles gibt es ja bei uns auch", so Kohl.
Für den öffentlichen Info-Abend am Samstag
(20 Uhr, Aumühlstubn) hat Initiator Kohl die verschiedensten Stellen
angeschrieben und eingeladen, unter anderem den gesamten Stadtrat, den
Stadtmarketingverein, Vertreter der Parteien und die Stadt in Form des
Bürgermeisters. Der habe jedoch auf die Einladung von Ende Mai geantwortet,
sie sei zu kurzfristig. „Ich hoffe aber, dass ein Vertreter der
Stadt kommt", so Kohl. Der Landrat habe „freundlich abgesagt",
aber mitgeteilt, dass der zuständige Abteilungsleiter komme.