05. Juni 2004 (Regionale Rundschau / Weser-Kurier)

Der „rote Renner" hat sich zum echten Renner in der Gunst der Weyher entwickelt. Der Bürgerbus wird so gut frequentiert, dass nun die Anschaffung eines zweiten Fahrzeuges angedacht werden darf.
Zweiter Bürgerbus für Weyhe?
„Fahrgast-Soll" um 50 Prozent übererfüllt: Es geht auch ohne Zuschüsse
Weyhe. Öffentlicher Personennahverkehr muss kein Zuschussgeschäft für den Steuerzahler sein. Zumindest nicht, wenn er so organisiert ist, wie der Weyher Bürgerbus. Dies ist die Erkenntnis aus dem ersten Betriebsjahr ohne Zuschüsse.
„Ermüdung oder neue Ziele?", lautete eine Frage, die der Verein Bürgerbus Weyhe am vergangenen Donnerstag im Rahmen seiner diesjährigen Mitgliederversammlung diskutierte. Unter dem Titel „Der Bürgerbus Weyhe - ein vorbildliches Projekt zwischen Elbe, Weser und Ems" trafen sich rund 32 Teilnehmer im Kirchweyher Hotel Koch. Die Idee, neben den Regionalbuslinien mit einem Bürgerbus den öffentlichen Personennahverkehr in der Region zu verbessern, ging im Jahr 2000 aus der Arbeitsgruppe Verkehr der Lokalen Agenda 21 hervor. Gesagt, getan. Im Juni 2001 wurde der Bürgerbus in Betrieb genommen. Partner der Interessensgemeinschaft sind die Weser Ems Busverkehr GmbH, die Gemeinde Weyhe und der Verkehrsverbund Bremen/ Niedersachsen (VBN). Hauptsponsor ist nach wie vor die Kreissparkasse, die das Unternehmen jährlich mit 6000 Euro unterstützt.
Vor einem Jahr fand der Probebetrieb seinen Abschluss. Ein Rückblick der letzten zwölf Monate machte jetzt deutlich, dass der Bürgerbus auch ohne Anschubfinanzierung überlebensfähig ist. Die einst anvisierten Fahrgastzahlen in Höhe von 800 Personen wöchentlich sind längst überschritten. Im Durchschnitt nutzen bereits 1200 Bürger das Angebot. „Es sieht weiterhin gut aus. Die Tendenz ist steigend", weiß der 1. Vorsitzende Torsten Hoff.
Von Ermüdungserscheinungen der über 30 aktiven ehrenamtlichen Fahrer könne auch keine Rede sein. Aus diesem Grund werden zurzeit Pläne geschmiedet, ein weiteres Beförderungsmittel einzusetzen. „Wir müssen überlegen, wie wir den zweiten Bus finanzieren. Aber die Lust ist da, das Projekt anzugehen", sagte Hoff. Er freute sich insbesondere, dass anfängliche Unkenrufe, der Busbetrieb würde höchstens ein halbes Jahr aufrecht erhalten werden können, widerlegt wurden.
Für den Einsatz eines zweiten Busses sind neben der Finanzierung ebenfalls Bedarfsermittlung, Linienweg, die Erstellung eines festen oder bedarfsabhängigen Fahrplans und die Erweiterung des Fahrer-Teams zu klären. „Ein zweites Auto ist sehr schwierig. Wir brauchen dringend noch einen Techniker", gibt Wolfgang Schmidt zu bedenken.
Der 3. Vorsitzende sieht höhere Reparaturkosten für den vorhandenen Bus auf den Verein zukommen. „Die zweite Linie muss sich schon deshalb tragen, weil es keine Mittel für eine zweite Probezeit gibt. Wir müssen gute Fahrgastzahlen vorweisen, um eine neue Linie in Betrieb zu nehmen", fügte Hoff hinzu.
Erfreulich ist die Entwicklung der Mitgliederzahl, die 2002 noch bei 78 Personen lag und bis zum jetzigen Zeitpunkt auf 121 gestiegen ist. „In diesem Jahr ist nur eine Person ausgetreten", bilanzierte Kassenwartin Ursel Wunsch-Bertram. Um in eigener Sache die Werbetrommel zu rühren, präsentierte sich der Verein beispielsweise bei der Messe HAFA in Bremen, im Radio bei Hallo Niedersachsen, beim Kirchweyher Herbstund Frühlingsfest und bei der Nacht der Kirchen. In anderen niedersächsischen Gemeinden hat die Weyher Interessensgemeinschaft eine Vorbildfunktion übernommen. Ihre Mitglieder waren und sind beim Aufbau ähnlicher Projekte behilflich. Wann und ob ein weiterer Weyher Bürgerbus in der Region seine Runden drehen wird, ist noch offen. „Zunächst geht es darum, den Bedarf zu ermitteln sowie vernünftige und praktische Lösungen zu finden. Erst danach macht es Sinn, einen Termin zu bestimmen", sagt Schriftführer Holger Opitz.